Jörn Wendland/ April 28, 2016/ Geschichte, Kunst, Schulworkshop

„Kindheit und Jugend in der Diktatur“ war das Thema, mit dem sich 29 Schülerinnen und Schüler des Albert-Schweitzer-Gymnasiums aus Hürth fünf Tage lang beschäftigt haben. Im Mittelpunkt standen 16 Biografien von ehemaligen Kindern und Jugendlichen aus den 4 Diktaturen NS-Deutschland, DDR, Argentinien und Chile. In den Räumen der Gedenkstätte Buchenwald bei  Weimar entstanden so Bilder, Gedichte, Briefe und weitere literarische Texte, die sich eindrucksvoll mit den Leben und Leiden in einer Dikatur befassten.


Gedicht über Kerstin Kuzia

Dunkelhaft

schwarz in schwarz in schwarz in schwarz
ich zähle eine schwärze, zwei schwärzen, drei –
meine Augen fallen zu
ich merke nicht, ob sie offen oder geschlossen sind
was sie sehen ist schwarz

ich merke nicht, ob ich sie überhaupt sehen
meine augen sind abgestorben und meine ohren sind tot
ich weiß, dass ich singe
doch ich höre mich nicht
ich lausche der schwärze

ich schmecke sie auf meiner wunden Zunge
ich spüre sie unter meinen tauben fingerkuppen
im versuch etwas halt zu ertasten
sie finden nur mich
und schwärze

Sarah, Schülerin des Albert-Schweitzer-Gymnasiums Hürth

Dieses Gedicht ist inspiriert durch die Geschichte von Kerstin Kuzia (geb. 1967), die als Jugendliche in der DDR im Geschlossenen Jugendwerkhof Torgau vielfach  Demütigungen, Strafen und eben auch Isolationshaft erlebte.


Porträt von Thomas Geve

Porträt von Thomas Geve, gezeichnet von Caroline, 16 Jahre

Porträt von Thomas Geve, gezeichnet von Caroline, 16 Jahre

Ein anderes Werk befasst sich mit dem Schicksal von Thomas Geve (geb. 1929), der als 13jähriger jüdischer Junge ins KZ Auschwitz deportiert wurde. Sein Vater emigierte kurz vor dem 2. Weltkrieg nach England, schaffte es aber nicht mehr seine Familie nachzuholen. Thomas‘ Mutter starb in Auschwitz, der Sohn überlebte das Lager und wurde später in die KZ Groß-Rosen und Buchenwald deportiert. Dort erlebte er am 11. April 1945 die Befreiung.

 


Efraín Vedder in der Colonia Dignidad

Bild von Stefanie und Lavinia 'Wunsch nach dem Unerreichbaren'

Bild von Stefanie und Lavinia ‚Wunsch nach dem Unerreichbaren‘

Dieses Bild mit dem Titel „Wunsch nach dem Unerreichbaren“ gibt die Biografie von Efraín Vedder (geb. 1967) wieder. Er lebte bis zu seiner Flucht gezwungenermaßen in der berüchtigten Colonia Dignidad in Chile und hat Schwierigkeiten bis heute ein Vertrauensverhältnis zu anderen Menschen aufzubauen. Seine Träume von einer eigenen Familie haben sich daher bislang  nicht erfüllt.


Das Umdenken von Charlotte Nasse

Elisabeth 'Blutbad' über Charlotte Nasse

Elisabeth ‚Blutbad‘ über Charlotte Nasse

Elisabeth schreibt über ihre Zeichnung  zu Charlotte Nasse, die sich anfangs für den Nationalsozialismus begeisterte:

„Charlotte auf den Straßen Kölns. Nach dem Bombenangriff sieht sie tote Menschen, die sie zu einem allmählichen Umdenken führen.“

 


Das Seminar wurde organisiert von der Konrad-Adenauer-Stiftung in Düsseldorf. Die Leitung hatten Markus Thulin und Dr. Jörn Wendland in Zusammenarbeit mit Stefan Lochner von der Gedenkstätte Buchenwald.

Die Seminargruppe vor dem Gebäude der Jugendbegegnungstätte in Buchenwald

Die Seminargruppe vor dem Gebäude der Jugendbegegnungstätte in Buchenwald

Weitere Informationen zur Reise der 29 Jugendlichen vom 20. bis 25. April in die Gedenstätte Buchenwald finden Sie hier:

Deutsch: http://www.5tageinbuchenwald.blogspot.de

Spanisch: http://5diasenbuchenwald.blogspot.de

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