Jörn Wendland/ Mai 15, 2016/ Kunst, Street Art

Früher oft als sinnlose Schmiererei abgetan, gewinnt kunstvolle Streetart immer mehr Anhänger. Mittlerweile wird sie sogar in Galerien gezeigt und ist Gegenstand von Kunstführungen.

Mich begeistert die „Kunst der Straße“, die sogenannte streetart, schon seit langem.  Sie kann einem tagtäglich auf der Straße begegen, ist für jeden frei zugänglich und zudem kostenlos. Wer genau die Kunstwerke auf Hauswänden, an Laternenmasten oder Stromkästen hinterlässt, ist oft unbekannt. Nur wenige streetartists signieren ihre Arbeiten mit einem echten Namen, denn meistens arbeiten sie im Verborgenen und illegal. Eine von ihnen ist die aus Düsseldorf stammende Künstlerin kurznachzehn, deren großes Bild „Junge mit dem Fernglas“ ich in der Venloer Straße in Köln-Ehrenfeld  bewundern konnte.

kurznachzehn, paste-up, Venloer Straße, Köln

Streetart von kurznachzehn in der Venloer Straße, Köln (Foto: Jörn Wendland)

Für ihre Werke benutzt sie alte Familienfotos ihres Großvaters, die sie als Stencil auf Wände sprüht oder als Paste-up klebt. Stencil ist eine Technik, bei der die Bildmotive mit Schablonen aus Pappe, Papier oder Kunststoff aufgetragen werden.  Wenn mehrere Schablonen verwendet werden, sind auch mehrfarbige Bilder möglich.

Ein Paste-up ist im Prinzip ein Plakat, das mit Kleister oder Leim auf die Wandflächen geklebt wird – nicht immer zur Freude der Hausbesitzer. Mehr zu den Techniken der streetart könnt Ihr hier lesen.

Kurznachzehn benutzt hier als Motiv ein altes Kinderbild ihres Onkels, der neugierig durch ein Fernglas schaut. Wir wissen nicht, was der Onkel im Visier hatte, doch in anderen Kontexten ergeben sich ganz neue Ideen: Vielleicht hat er die Veränderungen des beliebten Veedels im Blick, etwa den stark zunehmenden Straßenverkehr oder die mangelnden Spielmöglichkeiten für Kinder in Ehrenfeld. Oder er sieht  einfach nur die nächste Eisdiele :-). Was auch immer die Künstlerin im Sinn hatte; auf alle Fälle regt das Bild zum Nachdenken an und bereichert das Bild der Venloer Straße. Seit einiger Zeit sind ihre Werke auch in Ausstellungen und Galerien zu sehen. Einen Überblick über ihr Schaffen gibt es auf ihrer Seite bei Facebook.


Am 4. September 2015 fand anlässlich des CityLeaks Urban Art Festival 2015 im Kulturbunker in Köln-Mülheim eine spannende Ausstellung von streetart-Künstlern statt. Ein Film von Sven Wolff zeigt Ausschnitte aus dieser Ausstellung, darin auch interessante Interviews mit mehreren Künstlern. Zu hören ist auch ein Gespräch mit Leo Namislow, der auf die Frage, was für ihn streetart sei, mit dem schönen Satz antwortet: „Etwas Schönes, was die Welt bunter macht.“ Dem ist nichts hinzuzufügen!


Auch 2016 organsisiert das CityLeaks Festival mehrere Touren zur Kölner street art. Schaut doch mal rein. Ich werde auf jeden Fall dran teilnehmen!

Zu guter Letzt noch einige Impressionen zur Kölner streetart, die ich auf meinen Touren vor allem in Ehrenfeld gefunden habe. Dabei bin ich nicht der einzige, der diese Kunst fotografisch sammelt. Auch andere, noch ältere Semester erfreuen sich an dieser wunderbaren Kunst der Straße. 🙂

 

 

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1 Kommentar

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