Vortragsreihe über den Holocaust in Kunst, Kultur und Medien

„Nach Auschwitz ein Gedicht zu schreiben, ist barbarisch.“ Diese Aussage des Philosophen Theodor W. Adornos aus dem Jahr 1951 prägt bis heute den Diskurs über die Darstellbarkeit des Holocaust. Angesichts der monströsen Verbrechen der Nationalsozialisten ist für viele Menschen eine angemessene begriffliche oder bildliche Auseinandersetzung nicht mehr möglich. Gleichzeitig existieren Positionen, nach denen es unbedingt notwendig ist, den Holocaust auch mit ästhetischen Darstellungen in Erinnerung zu halten, damit er nicht in Vergessenheit gerät und um nachfolgende Generationen zu mahnen. So gab es bereits während der NS-Zeit Menschen, die als Betroffene über ihre Erlebnisse in den Konzentrationslagern mit künstlerischen Mitteln berichteten.

Chava Pressburger, Zyklus Seiten des Lebens
(c) Chava Pressburger, Bild aus ihrem Zyklus „Seiten des Lebens“

An der Ruhr-Universität Bochum findet nun eine Vortragsreihe zum Thema Holocaust in Kunst, Kultur und Medien statt, die sowohl historische als auch zeitgenössische Darstellungen des Holocaust in den Blick nehmen. Referenten verschiedener Fachrichtungen beleuchten das Thema aus unterschiedlichen Perspektiven. Sie geben unter anderem Einblick in die  spezifischen Entstehungsbedingungen und zeichnen die jeweiligen Rezeptionswege nach. Nach Aussage der Veranstalter sollen die Besucherinnen und Besucher der Vortragsreihe auf diese Weise angeregt werden, sich selbst eine Meinung über die Darstellungsmöglichkeiten und Grenzen des Holocaust in Kunst, Kultur und Medien zu bilden.

Zu den einzelnen Vorträgen

Die einzelnen Vorträge beschäftigen sich mit den unterschiedlichen Formen ästhetischer Darstellungen des Holocaust. Ilka Wonschik spricht über die Künstlerin Chava Pressburger, deren Bilder stark mit ihrer von Gewalt und Krieg geprägten  Lebensgeschichte verbunden sind. Jörn Wendland fragt nach Comics im KZ, die von Häftlingen und Überlebenden der NS-Zwangslager angefertigt wurden, während Michaela Haibl über den ehemaligen KZ-Häftling Franz Baron erzählt, der 1938 nach London fliehen konnte und dort einen schonungslosen Bericht inklusive Zeichnungen über seine Zeit in Dachau herausbrachte. Véronique Sina zeigt die Fotografien eines Sonderkommandohäftlings in Auschwitz und die Reproduktionen in Comic, Film und Fernsehen. Nina Heindl wiederum thematisiert drei verschiedene Holocaust-Denkmäler, die sich einer eindeutigen Sinnzuschreibung entziehen und somit gleichzeitig Erinnerungs- und Vergessenszeichen darstellen.

Organisiert wird die Reihe von Dr. Véronique Sina (Institut für Medienwissenschaft) und Nina Heindl (Kunstgeschichtliches Institut). Veranstaltungsort ist das „Blue Square“ der Ruhr-Universität Bochum. Die Veranstaltungsreihe ist öffentlich und der Eintritt frei.

  • Ilka Wonschik: „Chava Pressburger – Ein von Krieg und Gewalt geprägtes Künstlerinnenleben“ (09.05.2017, 18:00)
  • Jörn Wendland: „Comics im KZ? Narrative Bildserien von Häftlingen und Überlebenden der NS-Zwangslager“ (13.06.2017, 18:00)
  • Michaela Haibl „London 1938. Franz Baron zeichnet das Konzentrationslager Dachau“ (11.07.2017, 18:00)
  • Véronique Sina „Dokumente des Unvorstellbaren. Fotografien des Sonderkommandos und ihre Reproduktion in Comic, Film und Fernsehen“ (08.08.2017, 18:00)
  • Nina Heindl „Erinnerungs- und Vergessenszeichen. Sinnzuschreibung in Holocaust-Denkmälern“ (12.09.2017, 18:00)
Mehr zur Veranstaltungsreihe „Holocaust in Kunst, Kultur und Medien“ und zum „Blue Square“ finden Sie hier.

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