Jörn Wendland/ Februar 9, 2018/ Geschichte, Kunst, Rezension

Am 18. Dezember 2017 war im Deutschlandfunk in der Sendung „Andruck – Das Magazin für Politische Literatur“ eine ausführliche Rezension meines Buches „Das Lager von Bild zu Bild“ zu hören. Unter der Überschrift „Das Unsagbare zeichnen“ spricht Henry Bernhard über das Zeichnen in den Lagern als selbstbestimmtes Handeln der Häftlinge, erzählt, wie die Bilder für den Künstler zum Überlebensmittel wurden und betont das Spezifische dieser Bildserien, nämlich die Darstellung der Zeit:

Spezifisch für die Bildserien aber, so der Autor, ist die Darstellung der Zeit. In einer Umwelt, die die Kontrolle über die Zeit weitgehend entzieht, haben die Bildproduzenten Zeit visualisiert und strukturiert. Die Zeit im Lager aber, so führt Wendland eingehend aus, verschwimmt, verliert an Konturen durch die Unmöglichkeit zu planen und durch die ständige Wiederholung des Immergleichen. Dies findet er auch in den Bildserien wieder.

Immer wieder findet Bernhard eindringliche Worte für die verschiedenen Aspekte dieser Häftlingskunst. Worte, die pointierter das Dargestellte zusammenfassen als es die wissenschaftliche Sprache in meiner Arbeit zuließ. So verwendet er für die fehlenden Gesichter in den späten Bildern der Theresienstädter Künstlerin  Helga Weissová den Begriff der „ausradierten Biografien.“ An anderer Stelle betont Bernard die besondere Nähe der Lagerbildserien zu unserer Zeit:

Jörn Wendland nimmt die Bildserien ernst und auch deren Schöpfer. Als Historiker und als Kunsthistoriker. Dies tut den Werken gut. Und rückt sie uns näher, macht sie zum Teil unserer Welt und nicht zu Botschaften von der fernen Außenstelle des Bösen, die nichts mit uns zu tun hat.

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