Jörn Wendland/ Februar 19, 2019/ Ausstellung, Geschichte, Kunst

Katalog zur Ausstellung „ZWISCHEN IDEOLOGIE, ANPASSUNG UND VERFOLGUNG: Kunst und Nationalsozialismus in Tirol“ von 14. Dezember 2018 bis 7. April 2019 im TIROLER LANDESMUSEUM FERDINANDEUM.

Wie in den anderen österreichischen Bundesländern wurde auch in Tirol die politische und wirtschaftliche Situation für die Künstlerinnen und Künstler mit der Etablierung des „Ständestaates“ und den immer gewalttätiger auftretenden Nationalsozialisten zunehmend schwieriger.

Einige Künstler sind als Illegale bereits in den frühen dreißiger Jahren der NSDAP beigetreten. Manche sind emigriert oder haben sich aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Die Mehrheit jedoch hat sich dem offiziellen Kunstgeschmack angepasst. Wer war Mitläufer, Nazi-Künstler, „entartet“, Opfer oder Täter?

Die Ausstellung „Zwischen Ideologie, Anpassung und Verfolgung. Kunst und Nationalsozialismus in Tirol“ bietet einen Einblick in diese von Krieg und Ideologie geprägten Jahre zwischen 1938 und 1945. Sie beginnt mit der Frage nach dem Zusammenhang von Kunst und Ideologie, den Bildern aus dem Krieg und der Funktion des Museums in den Jahren 1938–1945. Sie findet ihre Fortsetzung in der Darstellung der Malerei und Skulptur, der Heimatfotografie, der Architektur, aufgezeigt am Bau des Gauhauses (Neues Landhaus) und einzelner „Künstlerschicksale“. Ihren Abschluss findet sie in den erschütternden Zeichnungen zu der Radierfolge „Pestbeulen Europas“, in denen der Künstler Harald Pickert die Jahre seiner Internierung in den Konzentrationslagern Dachau und Mauthausen künstlerisch verarbeitet.

Ausstellung Tiroler Landesmuseen Zwischen Ideologie, Anpassung und Verfolgung Wolfgang Lackner

Blick in den Raum mit der Kunst von Harald Pickert.
Foto: © Wolfgang Lackner

Im Begleitband zur Ausstellung wird jeder Bereich der Ausstellung mit wissenschaftlichen Beiträgen von Kunst- und KulturwissenschaftlerInnnen und HistorikerInnen erörtert. Der Bogen dabei spannt sich von Aspekten der Kulturpolitik im „Dritten Reich“ und der Bilder vom Krieg über die nationalsozialistische Kunstverwaltung im Gau Tirol-Vorarlberg und Betrachtungen zur Kunst, Architektur und Fotografie der Jahren zwischen 1938 und 1945 bis hin zur Bildanalyse des Zyklus „Pestbeulen in Europa“ von Harald Pickert im Bund der Darstellung der zeitgenössischen Positionen.

Harald Pickert

Wegen seiner offenen Kritik am NS-Regime und seiner Weigerung, an Ausstellungen im Haus der Deutschen Kunst teilzunehmen, wurde der Kufsteiner Maler und Radierer Harald Pickert 1939 verhaftet. Nach Aufenthalten in diversen Polizeigefängnissen wurde er als politischer Häftling in das Konzentrationslager Sachsenhausen und bald darauf nach Dachau überstellt. Er überlebte eine mehr als zweijährige Internierung im KZ Mauthausen, wurde im Februar 1943 nach Dachau transportiert und war bis zu seiner Befreiung am 29. April 1945 in verschiedenen Arbeitskommandos in den Nebenlagern Augsburg und Bäumenheim. Im Nachlass Pickerts wurde erst vor wenigen Jahren die 1945 geschaffene Mappe mit zwanzig Tuschezeichnungen „Pestbeulen Europas – Naziterror in Konzentrationslagern“ sowie weitere Zeichnungen und Skizzen aus der Zeit seiner Internierung in Dachau in den letzten Kriegsjahren aufgefunden. In ihnen hat der Künstler das Grauen im Konzentrationslager festgehalten. Diese Werke des Tiroler Künstlers werden im Rahmen der Sonderausstellung erstmals öffentlich gezeigt. In meinem Beitrag „Kunstwerke von einer eigenen verstörenden Schönheit...“ beleuchte ich Pickerts Zyklus „Pestbeulen Europas“ im Kontext seiner Entstehung in der unmittelbaren Nachkriegszeit.

Katalog

Wolfgang Meighörner (Hg.): Zwischen Ideologie, Anpassung und Verfolgung. Kunst und Nationalsozialismus in Tirol, Insbruck 2018, Tiroler Landesmuseen, 440 Seiten, zahlreiche Abbildungen, gebunden, ISBN 978-3-900083-78-6

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