Ausstellungen

Ausstellungsprojekt „Kindheit und Jugend in der Diktatur“

LogoWie erleben Kinder und Jugendliche eine Diktatur? Auf welche Weise ist z.B. ihr Schulalltag oder ihre Freizeit von der Diktatur gepägt? Wie erinnern sie später ihre Erlebnisse? Gibt es dabei Gemeinsamkeiten über Grenzen hinweg?

Mit meinem Kollegen Markus Thulin konzipieren und planen wir eine spannende Ausstellung über die Kindheit und Jugend in vier Diktaturen. Im Mitttelpunkt stehen 16 Biografien von Menschen, die ihre Kindheit und/oder Jugend in einer der folgenden Diktaturen erlebten: Im NS-Staat (1933-1945), der DDR (1949-1989), in der chilenische Militärdiktatur (1973-1989) und der argentinische Militärdiktatur (1976-1983).

Mit Hilfe von biografischen Dokumenten, Erinnerungsobjekten, Fotos, literarischen und künstlerischen Arbeiten der Zeitzeugen werden dem Besucher die Unterschiede, aber auch die Gemeinsamkeiten einer Kindheit und Jugend in der Diktatur näher gebracht. Wichtig ist auch, dass nicht nur die Opfer der Diktaturen vorgestellt werden, sondern auch die Kinder der Mitläufer und der Täter.

Die Ausstellung entsteht in Zusammenarbeit mit dem Romanischen Seminar der Universität Köln und der Konrad-Adenauer-Stiftung. Zurzeit suchen wir noch nach geeigneten Ausstellungsräumen, die Eröffnung ist für 2018 geplant. Wichtige Vorarbeiten waren im April 2016 ein mehrtätiges Seminar in der Gedenkstätte Buchenwald mit Schülerinnen und Schülern des Albert-Schweitzer-Gymnasiums aus Hürth bei Köln. Mehr zum Seminar in Buchenwald könnt Ihr hier zu lesen.

Drei Biografie-Beispiele

Thomas Geve (geb. 1929) erlebte als jüdisches Kind im nationalsozialisisches Deutschland schon früh Ausgrenzung und Verfolgung. Mit 13 Jahren kam er ins Konzentrationslager- und Vernichtungslager Auschwitz, später in die KZ Groß-Rosen und Buchenwald, wo er am 11. April 1945 befreit wurde. Seine Erlebnisse in den Lagern bildete er in zahlreichen postkartengroßen Zeichnungen ab, die heute in der Gedenkstätte Yad Vashem aufbewahrt werden.

Die Jugend von Kerstin Kuzia (geb. 1967) war von den Aufenthalen in den verschiedenen Erziehungsheimen der DDR geprägt. Sie kam u.a. in den Geschlossenen Jugendwerkhof (GJWH) Torgau, wo gezielte Demütigungen und körperliche Misshandlungen zum Alltag gehörten.

Ana Rita Vagliati (geb. 1972) ist die Tochter eines Mannes, der während der argentinischen Militärdiktatur gefoltert hat. Erst nach dem Ende der Diktatur begann sie die Arbeit ihres Vaters zu hinterfragen und schrieb darüber ein Buch. Außerdem entschloss sie sich den Familiennamen ihres Vaters abzulegen und den ihrer Mutter anzunehmen.

Schülerarbeiten

Eine Besonderheit dieser Ausstellung wird die Einbeziehung von aktuellen Schülerarbeiten sein.  So haben Jugendliche des Albert-Schweitzer-Gymnasiums in Hürth bei Köln während eines Seminars vom 20. bis 25. April 2016 in der Gedenkstätte Buchenwald zahlreiche literarische und künstlerische Werke zu den einzelnen Biografien angefertigt.


Holocaust im Comic

Ausstellung im Cölner Comic Haus vom 5. November bis 17. Dezember 2016
Titelmotiv Ausstellung Holocaust im Comic Cölner Comic Haus. Zeichner Gabriel Nemeth
Das Titelmotiv der Ausstellung stammt von Gabriel Nemeth, einen deutschen Grafiker, Illustrator und Comiczeichner (www.nemethstudio.de)

Sach- und Geschichtscomics, die Ereignisse des Dritten Reichs, des Zweiten Weltkriegs und des Holocaust thematisieren, sind zunehmend Gegenstand der Feuilletons und akademischer Veranstaltungen. Doch können diese Comics Zeitgeschichte ernsthaft beleuchten? Findet hier nicht eine nahezu automatische Verharmlosung allein schon durch das gewählte Medium statt?

Die Ausstellung, zusammengestellt von Ralf Palandt, setzt sich anhand von Beispielen differenziert mit Holocaust-Abbildungen in Comics auseinander (Kriterien qualitativer Bewertung, antisemitische Beispiele, Exploitation, etc.) und regt zur reflektierenden Lektüre an.

Ausstellung "Holocaust im Comic", Cölner Comic Haus
Ein Blick in die Ausstellung, mit den Bildern der KZ-Häftlinge

Ein Teil der Ausstellung zeigt eine von mir zusammengestellte Auswahl von Bildern verschiedener KZ-Häftlinge. Künstler wie Horst Rosenthal, Pavel Fantl oder Helga Weissova haben trotz der unmenschlichen Bedingungen in den Lagern beeindruckende Kunstwerke geschaffen.

Horst Rosenthal, Ausstellung Cölner Comic Haus
Horst Rosenthals Comic „Mickey au Camp de Gurs“ aus dem Jahr 1942

Und im Fall von Horst Rosenthal sogar mit einem direkten Bezug zu Comics. Seine Bildgeschichte zeigt nämlich die berühmte Comicfigur Mickey Mouse, wie sie den Alltag in einem Internierungslager in Südfrankreich erlebt. Am Ende der Geschichte hat Mickey genug und radiert sich selbst aus dem Comic heraus – eine Möglichkeit, die eben nur eine Comicfigur hatte. Für viele der Inhaftierten führte der Weg über das Durchgangslager Drancy bei Paris direkt nach Auschwitz in den Tod. Zu ihnen zählte auch Horst Rosenthal, der dort 1942 starb.

 


„Es gibt hier keine Kinder“ – Auschwitz, Groß-Rosen, Buchenwald. Thomas Geve: Zeichnungen eines 15-Jährigen

Ausstellung im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln vom 9. Mai bis 3. August 2014
Thomas Geve Porträt 1945 in der Schweiz
Thomas Geve 1945 im Haus seiner Pflegefamilie in der Schweiz. Foto: Privat

Mit 15 Jahren wurde Thomas Geve im KZ Buchenwald befreit. Zu diesem Zeitpunkt war der jüdische Junge, der in Berlin aufwuchs, schon lange völlig auf sich allein gestellt. Kurz vor Beginn des Zweiten Weltkrieges emigrierte der Vater nach England, konnte die Familie jedoch nicht mehr nachholen. Die Mutter starb in Auschwitz, während Thomas Geve wie durch ein Wunder nicht nur Auschwitz überlebte, sondern im Januar 1945 auch den Transport im offenen Güterwaggon nach Groß-Rosen und später nach Buchenwald.

Die Erinnerungen an diese Zeit hat Thomas Geve in 79 Zeichnungen festgehalten. Seit 1985 befinden sich seine Bilder in der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem. Thomas Geve lebt heute in Haifa, Israel.


Thomas Geve Zeichnung Häftlingsappell
Thomas Geve »Apell«, Nr. 22, Bleistift, Farbstift und Wasserfarben auf Papier, 15 x 10 cm, Schweiz 1945. Sammlung des Yad Vashem Art Museum, Jerusalem

Im NS-Dokumentationszentrum der Stadt Köln waren vom 9. Mai bis 3. August 2014 im Kleinen Gewölbe die originalgetreuen Reproduktionen der Zeichnungen zu sehen. Mein Kollege Markus Thulin und ich haben diese Ausstellung des NS-Dokumentationszentrums in Zusammenarbeit mit der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora kuratiert.

Hier gelangen Sie zum 360-Grad-Rundgang durch die Sonderausstellung.

Blick in die Ausstellungsräume im EL-DE-Haus
Blick in die Ausstellungsräume im EL-DE-Haus

Parallel zur Ausstellung fanden Zeitzeugengespräche mit Thomas Geve an verschiedenen Schulen im Rheinland statt. Wir durften ihn auf seinen Besuchen begleiten. Für viele Schülerinnen und Schüler war es bemerkenswert, wie offen Thomas Geve über seine Zeit in den KZ sprach und dass er trotz seiner traumatischen Erlebnisse seinen Humor nicht verloren hat. Hier ein Bericht des Erzbischöflichen Ursulinengymnasiums über den Besuch Thomas Geves.

Presse

Kölnische Rundschau „NS-Dok in Köln. Der jugendliche Blick aufs KZ-Grauen“, Bernhard Krebs, 5. Mai 2014
Der Link zum Artikel

Ankündigung der Stadt Köln